Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. (Jes 2,4)

Zu diesem Monatsspruch stellten sich sofort Bilder ein, die wieder Erinnerungen wachriefen, wie es damals in meinen jungen Jahren war.

Im Jahr 1959 übergab die Sowjetunion die Skulptur „Schwerter zu Pflugscharen“ an die UNO als Zeichen für den Weltfrieden und friedliche Koexistenz. Sie steht seither im Park vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City. Das Motiv bezieht sich auf Micha 4,3 und Jes 2,4. Darüber wurde bei uns in der Schule viel geredet.
1981 kamen durch die DDR-Friedensbewegung Stoffaufnäher in Umlauf, die dieses Umschmieden darstellten. Ihn zu tragen, war zwar nicht verboten, doch diejenigen hatten mit Nachteilen zu rechnen, auch wenn sie sich dabei auf dieses Geschenk der Sowjetunion beriefen. Wer es trug, wer sich in die Friedensbewegung einreihte, tat dies meist aus Angst vor der wachsenden Kriegsgefahr durch die fortschreitende Aufrüstung mit Atomwaffen. Die Friedensbewegung drängte auf Abschaffung der Massenvernichtungswaffen.
Dann kam der September 1983. Eine Friedensgruppe um den Wittenberger Theologen Friedrich Schorlemmer versammelte sich im Lutherhof in Wittenberg. Stefan Nau schmiedete öffentlichkeitswirksam ein Schwert zu einer Pflugschar um. Das war eine starkes Zeichen, geradezu ein Protest. Und es sollte aufrütteln, sich in die Friedensbewegung einzureihen.

Grundlegendes haben diese Aktionen damals allerdings nicht bewegt, schon gar nicht die erhoffte und ersehnte Wende zum Frieden gebracht. Ich könnte dafür mehrere Gründe nennen. Auf einen, den entscheidenden, weist uns der Monatsspruch hin. Jesaja sagt es seinen Landsleuten in etwa so – ich paraphrasiere: Es ist Gott, der Herr! Er vollendet die Geschichte (Jes 2,2), indem er allen Völkern heilsame Weisung geben wird, so dass sie alle Zukunft haben. Er wird ihnen allen Recht verschaffen, und zwar so, dass sie keinen Krieg mehr wollen und daher ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern umschmieden. Sie werden kein Schwert mehr brauchen, werden nicht mehr gegeneinander kämpfen und nicht mehr das Kriegshandwerk erlernen.

Das ist kein Apell, gewaltsame Auseinandersetzungen sein zu lassen, die Waffen umzuschmieden und Frieden zu schließen. Sondern es ist ein Wort gegen Resignation, ein Wort der Hoffnung und des Trostes in schon damals kriegerischen Zeiten. Und zwar deshalb, weil diese neue Zukunft der herbeiführen wird, der allein in der Lage ist, einen solch umfassenden, heilsamen Frieden den Menschen zu bereiten, Gott.
Die Geschichte lehrt uns: Was wir Menschen auch immer denken und tun im Bemühen um Frieden unter uns und in der Welt, davon ist vieles nützlich und hilfreich, hat uns jedoch noch nie einen dauerhaften Frieden gebracht. Und wie oft hat es sogar zu Terror, Unfreiheit und millionenfachem Leid geführt, wenn Menschen ein solches Friedensreich schaffen wollten. Und wenn es einmal zu kurzen Perioden eines friedlichen Nebeneinanders gekommen ist, so kam es dann doch immer wieder zu neuen Konflikten und neuen Kriegen. In unserem alltäglichen Leben ist es nicht viel anders. Da brechen auch immer wieder Konflikte und Auseinandersetzungen auf. Ja, wir sehnen uns nach Frieden und Gerechtigkeit. Aber wir stellen auch fest, dass uns kleine Erfolge in dieser Richtung doch nicht „zu-Frieden stellen“ und fangen an, wieder herumzustänkern und säen auf diese Weise Unfriede.
Der Friede in Jesajas Vision kennt keine Ungerechtigkeiten zwischen den Völkern und den Menschen, kennt nichts, was zu Missgunst, Auseinandersetzungen unter ihnen und zu Gewalt führen könnte. Ich weiß, dass viele Menschen eine solche Vision aber als realitätsfern beiseite schieben, obwohl sie sich danach sehnen. Sie verweisen auf die Gräueltaten und Exzesse der Machthaber, die zur Durchsetzung ihrer Interessen Kriege anzetteln und schüren, egal wieviel Menschenleben das kostet und welch bitteres, unsagbares Leid dies in den betroffenen Ländern und Regionen mit sich bringt. Die Fernsehberichte aus den vielen Kriegsgebieten in der Welt führen uns das täglich vor Augen und erschüttern auch uns, die wir gar nicht unmittelbar selbst betroffen sind. Das lässt viele abstumpfen. Andere verweisen auf die Forderung von Politikern, militärisch aufzurüsten, um sich zum Schutz der Menschen im eigenen Land in Zeiten wachsender militärischer Bedrohung bei möglichen kriegerischen Auseinandersetzungen wehren zu können. Sie sagen deshalb, man muss sich für den Frieden in der Welt einsetzen. Auch die Politik muss alle Kanäle nutzen, um durch Diplomatie und internationale Abkommen, notfalls auch durch einseitiges Entgegenkommen an Tyrannen und Diktatoren dafür zu sorgen, dass die Waffen letztlich überall in der Welt schweigen. Hinter all diesen friedenspolitischen Überlegungen steht letztlich das Interesse, sich nicht damit abzufinden, dass Ungerechtigkeit, Kriege und Unterdrückung zur Normalität gehören, sondern eine bessere, eine von alledem befreite Welt zu erreichen. Doch wie bereits gesagt, solche Überlegungen und Bemühungen um den Frieden, so schön, plausibel und gut sie sind, haben nie die Kraft gehabt, zu einem wirklichen und dauerhaften Frieden zu gelangen. Er ist innerweltlich nicht zu erlangen. Und wenn doch einmal so etwas wie friedensähnliche Zeiten kommen, so sind sie nicht von Dauer. Sie stehen immer auf wackligen Füßen.
Muss man deswegen resignieren oder abstumpfen gegenüber den Herausforderungen, die der brüchige Frieden heute stellt? Ich meine nein – und das nicht nur deswegen, weil die Friedensbewegung der 80er Jahre immerhin einer solchen Resignation, einer solchen Abstumpfung gewehrt hat. Mein Nein macht sich an der Vision des Jesaja fest. Sie malt mit kräftigen Farben, wie es sein wird, wenn Gott die Geschichte vollendet. Diese Hoffnung hat deshalb einen festen Grund, weil Gott dies herbeiführt.

Als Christen sehen wir, dass dort, wo an Gott und seinen Sohn, den Friedefürst Jesus Christus, geglaubt wird, solcher Friede sich dann auch zeigt. Da ändern sich die Menschen. Es zieht ein anderer Geist in sie ein, ein Geist der Liebe bis hin sogar zur Feindesliebe. Ein Geist, der von Gottes Geist, vom Geist Jesu inspiriert ist. Ein Geist der Barmherzigkeit und des menschfreundlichen Miteinanders, ein Geist, sich selbst zurückzunehmen zugunsten derer, die in Not und Leid geraten sind. Damit kommt die Vision des Jesaja zwar noch nicht zum Ziel, aber es wird punktuell erfahrbar, dass Gott die unheilvolle Geschichte der Menschen in seinem Reich heilvoll vollenden wird.
Diesen verheißenen ewigen Frieden finden wir bei keinem anderen als bei dem, der in unsere Welt unter dem weihnachtlichen Jubelgesang der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ geboren wurde. Wo Menschen zu diesem göttlichen Friedefürst kamen und an ihn glaubten, da blieb solcher Glaube nicht ohne Folgen. So ist es bis heute. Christlicher Glaube wird im Geiste Jesu wie oben beschrieben dann auch protestieren gegen Gewalt, Krieg und Unrecht. Er wird mahnen und sich einsetzen für diplomatische Wege, um Kriege und Kriegsgefahren zu beenden. Er tut dies, weil er weiß, dass wir immer noch in einer Welt der Gewalt und des Unfriedens leben und er sich der harten Realität dieser Welt und dieses Lebens stellen muss, wozu bereits Paulus in 1. Thess 5,3.6 die dortigen Christen ermahnte. Daher: So wie ein gedeihliches Zusammenleben nicht ohne Schutz durch Polizei auskommt, so bedarf es zur Gewaltlosigkeit zwischen Staaten notfalls, wenn alle anderen Bemühungen um Deeskalation nicht fruchten, eines militärischen Selbstschutzes, um nicht mit Krieg und infolge davon mit dem Tod vieler Menschen und unsäglich bitterem Leid der Bevölkerung überzogen zu werden. Sich im Bedrohungsfall notfalls gegen Kriegsgefahr zu wappnen ist allemal besser als einerseits abzustumpfen oder gleichgültig zu werden und andererseits aus der gegebenen Situation in ein abstruses Wunschdenken und in abstruse Aktionen zu flüchten. Der katholische Theologe Schwienhorst-Schönberger zog in einem Beitrag in der Zeitschrift „Herder Korrespondenz“ Heft 5/2022, S. 30 das Fazit: „Wer … die biblische Schöpfungstheologie mit ihrem realistischen Blick auf die Bosheit des menschlichen Herzens nicht vergisst, der gelangt zu der Einsicht, dass die Anwendung rechtmäßiger Gewalt zur Eindämmung unrechtmäßiger Gewalt vom Alten wie vom Neuem Testament nicht verworfen wird. Eine radikal pazifistische Position lässt sich weder aus der Heiligen Schrift noch aus der Überlieferung der Kirche begründen.“

Jesaja war einer, der den Blick jedoch weglenkte von der Politik und vom menschlich Machbaren und Gebotenem hin zu Gottes Handeln. Für ihn war es unvorstellbar, dass Menschen ein Friedensreich errichten könnten.
Seine Vision von der Vollendung der Geschichte durch Gott zum ewigen Frieden in seinem Reich ist in Christus unter uns bereits angebrochen. Von ihm haben wir den Auftrag, in der Welt als Friedensstifter im Kleinen wie im Großen zu wirken. Aber darin sollen wir uns auch nicht verlieren. Wir sollen vielmehr daran festhalten an der Hoffnung, die wir im Glauben an Christus haben, dass Gott sein Reich vollenden wird. Im Vaterunser, das wir von Jesus haben, bitten wir um eben dieses mit den Worten „Dein Reich komme.“ Mit dem Kommen erfüllt sich, wovon Jesaja sagt: Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.