Gedanken zu den biblischen Monatssprüchen
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- Geschrieben von: Roland Voigt
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Am 5,24 – Spruch für den Monat Juli)
Amos, ein im Südreich Juda ansässiger gebildeter Züchter von Rindern und Kleinvieh sowie Veredler von Maulbeerfeigen, war der härteste aller biblischen Gerichtspropheten. Seine Worte, verkündet im Nordreich Israel etwa 760 v. Chr., waren Worte, die Unheil und das Ende Israels ansagten. Der Grund: Er sieht Israels Versagen. Er sieht, dass dieses von Gott erwählte Volk an der Verantwortung scheitert, die es aufgrund seiner besonderen und rettenden Erfahrungen mit diesem Gott hat.
Dazu muss man wissen, dass Amos wie die Israeliten insgesamt ihre Geschichte mit diesem Gott kannten. Wie er das Volk errettete aus Nöten, Bedrängnissen, Bedrückungen und vor vernichtenden Kriegen und ihm immer wieder dazu verhalf, in Frieden und Wohlstand untereinander und in der Welt leben zu können. Das ganze Heilshandeln Gottes wird in der Bibel oft abkürzend mit dem Wort „Gerechtigkeit“ Gottes ausgedrückt. Gott erweist seinem Volk darin seine Gerechtigkeit und erwartet, dass sich die Menschen auch untereinander so verhalten: Barmherzigkeit, Schutz der Schwachen, sich selbst zurücknehmen zugunsten Bedürftiger. Es geht also nicht um Gerechtigkeit im juristischen Sinn, sondern vor allem darum, darauf zu achten, sich so zu verhalten und zu handeln, dass Menschen mit Gott und zugleich auch miteinander in einer gerechten und friedlichen Gemeinschaft leben können, so dass es allen Menschen wohl geht und sie sagen können: „Ja, so ist´s recht – für mich und gleichermaßen für dich.“
Amos jedoch sah, wie anders seine Landsleute miteinander umgingen. Menschen wurden durch Rechtsverdrehung um ihr Hab und Gut gebracht. Kleinbauern und ihre Familien konnten aus Profitgier anderer nicht mehr für den eigenen Lebensunterhalt sorgen und gerieten in Schuldknechtschaft. Man kümmerte sich nicht mehr um diejenigen, die Hilfe brauchten. Es haperte an Solidarität, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl. Gleichgültigkeit, Luxus auf Kosten anderer, Gewalt und Ungerechtigkeit, das sah Amos. Es mangelte also überall an Recht und Gerechtigkeit, also an einem Verhalten, das die erfahrene Gerechtigkeit Gottes im Handeln untereinander zum Wohle aller entfaltet.
Trotz dieses Verhaltens feierte Israel seine Gottesdienste so, als ob sein Gottesverhältnis noch in Ordnung wäre. Es merkt nicht, so Amos, dass es Gott aus ihrer Gemeinschaft herausgedrängt hat, weil eine Gemeinschaft mit Gott ohne „Recht und Gerechtigkeit“ nicht möglich ist (siehe die vorhergehenden Verse 21-23). Der in Leerlauf und Automatismen erstarrte Gottesdienst, der zur eigenen Beruhigung des Gewissens und als Alibi für das eigene unsoziale Verhalten missbraucht wird , verhindert geradezu ein gemeinschaftsförderndes Handeln. Demgegenüber: Wer so viele heilsame Erfahrungen mit Gott gemacht hat, kann eigentlich gar nicht anders, so ist der Prophet im Monatsspruch zu verstehen, als der Gerechtigkeit Gottes mit dem eigenen Verhalten freien Lauf zu lassen wie ein nie versiegender Bach, der ständig sprudelndes Wasser auch in den Dürremonaten mit sich führt und so Leben und Fruchtbarkeit für alle gedeihen lässt.
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- Geschrieben von: Roland Voigt
Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen, denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib. (Hebr 13,3 – Spruch für den Monat Juni)
Das sind Worte, die an unser Mitgefühl appellieren. Das erkennen wir auf den ersten Blick. Und dass ein solcher Appell nötig ist, wissen wir alle. Wir Menschen haben in der Regel doch meist zuerst unser eigenes Ergehen und die Sorge um das eigene Wohlsein im Blick. Deshalb ist es z.B. auch sehr zu begrüßen, wenn uns über Rundfunk- und Fernsehanstalten oder auch über andere Medien die Bedürftigkeit sowie Not, Leid und Elend vor Augen geführt werden – ob in der Welt oder auch im eigenen Land. Sie appellieren so an unsere Hilfsbereitschaft, um zur Linderung mit beizutragen. Das kann dann beispielsweise über Spenden erfolgen oder auch mit persönlichem Engagement, organisiert über Vereine, andere Institutionen oder ganz privat. Die z.T. enorme Spendenbereitschaft gerade in der Advents- und Weihnachtszeit oder bei großen Naturkatastrophen zeigt, dass sich viele aus Mitgefühl heraus ansprechen lassen und einen Beitrag zur Linderung leisten. Aber nicht jeder öffnet sein Herz so weit. Dass immer wieder an unser Mitgefühl für die Bedürftigen appelliert wird, um die Bereitschaft zur Hilfe zu wecken, ist daher nötig. Diese Fähigkeit, also nicht nur Gefühle, sondern auch Gedanken und Perspektiven unserer Mitmenschen zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden, wird allgemein als Empathie bezeichnet. „Em-pathos“ heißt wörtlich eigentlich ins Leid hinein, nämlich in das Leid des anderen hineingehen und dabei nicht stehen bleiben, sondern tun, was möglich ist, um dem Leiden abzuhelfen. Es führt hier zu weit, mich näher mit der Empathie als solcher zu beschäftigen. Festzuhalten jedoch ist, dass sie für unser Überleben unerlässlich ist. Ohne Empathie wäre die Menschheit nicht in der Lage, Solidarität, Loyalität, Mitgefühl und Mitleid aufzubringen und auszubilden. Wo und wann auch immer Menschen sie aufbringen und sich entsprechend für Mitmenschen einsetzen, müssen sie im Namen der Menschlichkeit dann auch gewürdigt und unterstützt werden.
Als Christen haben wir jedoch noch mehr dazu zu sagen. Wenn es darum geht, die Bedürftigkeit der anderen so zu sehen, als sei es meine eigene Bedürftigkeit, reden wir weniger über die dafür aufzubringende Empathie, sondern vielmehr von gebotener Nächstenliebe. Wie sie anzuwenden ist, macht Jesus in der Goldenen Regel (Mt 7,12) deutlich: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“
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- Geschrieben von: Roland Voigt
Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele. (Hebr 6,19 – der Monatsspruch)
Hoffnung haben und behalten, das ist nicht immer leicht. Immer wieder gibt es Enttäuschungen, wenn sich Erwartungen und Aussichten auf Besserung nicht erfüllen – in der Welt und im eigenen Leben. Vielen spricht der römische Dichter Ovid, ein Zeitgenosse Jesu, dann aus dem Herzen, der sagte: „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“
Nicht alle unserer Hoffnungen sind tatsächlich realistisch. Er gibt auch ferne, unrealistische, die eher Wunschträume sind. Manche Hoffnungen sind eher nebensächlich und banal. Andere jedoch sind existenziell notwendig, also unbedingt wichtig für unser Leben. Zerplatzen sie wie Seifenblasen, werden wir unglücklich, resignieren, werden depressiv, verlieren den Lebenssinn. Sie schlagen in Verzweiflung um. Deshalb greifen wir nach jedem Strohhalm, der unsere Hoffnung wach halten kann. Da heißt es dann nur noch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Dass sie nicht stirbt, dass nicht auch noch der letzte Strohhalm einer Hoffnung wie eine Seifenblase zerplatzt, dagegen wird oft angerannt. Sie muss lebendig bleiben und wachsen können.
Ich weiß noch von früher, da sagte man über eine schwangere Frau, sie sei guter Hoffnung. Damit wollte man sagen: Ihr Kind ist zwar noch nicht geboren, sie kann es noch nicht in die Arme nehmen, aber doch ist es bereits da – in ihr – und wächst jeden Tag. Es verändert den Alltag der künftigen Mutter. Doch eines Tages ist es geboren, dieses neue Leben, auf das über die Zeit des Werdens und Wachsens gehofft wurde.
Die Hoffnung lässt Leben wachsen. Sie muss also lebendig bleiben. Ohne sie geht es nicht weiter. Sie schaut über das Jetzt hinaus, ist unverzichtbar und lebensnotwendig, denn sie hilft uns beim Durchstehen schwieriger Zeiten.
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- Geschrieben von: Roland Voigt
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Joh 20,29 – der Monatsspruch)
Diese Seligpreisung Jesu hat eine Vorgeschichte: Nach dem Bericht des Evangelisten Johannes war der Jünger Thomas nicht anwesend, als Jesus nach seiner Auferstehung den Jüngern erschien. Sie erzählten ihm davon, doch er zweifelte im Gegensatz zu den anderen Jüngern, dass der Erschienene wirklich der Jesus war, mit dem er über viele Monate im Land unterwegs gewesen ist. Der den Menschen seine göttliche Macht gezeigt hat, indem er große Wunder tat, Kranke heilte und sogar Tote auferweckte. Der auf diese Weise aus lauter Liebe zu den Menschen ihnen einen Blick in den Himmel gewährte, wo es keine Not, kein Leid, kein Elend und keinen Tod mehr gibt, sondern wo das Leben in der Gemeinschaft mit ihm und Gott, seinem Vater, auf ewig davon befreit ist, also heil ist. Thomas wollte sich bei der nächsten Erscheinung selbst davon überzeugen, dass es wirklich dieser Jesus ist, indem er seine Wunden berührt. Er wollte glauben können, dass er wirklich auferstanden ist, wie es die anderen Jünger ihm berichtet hatten. Er wollte glauben können, dass der Tod die Liebe und die Macht dieses Jesus nicht hat brechen können – gegen allen Anschein in der Welt.
Als Jesus das nächste Mal den Jüngern erschien, forderte er Thomas auf, seine Finger in die Wundmale zu legen, damit auch er glauben kann. Doch Thomas tut das nicht, sondern bekennt sich stattdessen zu ihm mit den Worten, die vorher noch nie einer zu Jesus gesagt hatte: „Mein Herr und mein Gott!“ Durch das wunderhafte Erscheinen des Auferstandenen konnte er nun an ihn, den Gottessohn, glauben. Er erkannte ihn als seinen Herrn und seinen Gott. Nun spricht Jesus: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Wohl denen bzw. glücklich dürfen sich die preisen (so hier Umschreibungen des Selig-Seins), die an Jesus als ihren auferstandenen Herrn und Gott glauben, auch wenn sie ihn nicht sehen. Diese Seligpreisung ist bereits ein Wort Jesu an alle, die der Generation seiner Jünger, denen er erschien, folgen werden, also auch an uns heute. Niemandem nach dieser Generation der Augenzeugen ist er leiblich erschienen. Niemand kann sich deshalb seither wie sie davon überzeugen, dass er tatsächlich der ist, der Macht über Leben und Tod hat und der die Auferstehung und das Leben bleibend verkörpert. Denn er, der vom himmlischen Vater Gesandte, ist zurückgekehrt zu ihm. Das hatte Jesus seinen Jüngern schon in seinen Abschiedsreden vor seiner Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung angekündigt.
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- Geschrieben von: Roland Voigt
Da weinte Jesus. (Joh 11,35 – Spruch für diesen Monat) Jesus gingen die Augen über; Tränen flossen. Was war geschehen? Warum weinte er? Wir finden die Antwort aus dem Zusammenhang der ganzen Erzählung.
Jesu Freund Lazaraus war todkrank. Seine Schwestern Maria und Marta ließen Jesus das ausrichten. Doch Jesus ließ sich Zeit, zu kommen. Er wusste bereits, dass Lazarus nun verstorben war. Er wollte ihn jedoch auferwecken, um Gott in seiner Machtherrlichkeit zu offenbaren, die im Wunder gleichermaßen mit ihm, seinem Sohn, sichtbar und erfahrbar wird. Sein Ziel war wie bei all seinen Wundern, den Glauben an ihn, den Gottesssohn und Lebensspender zu wecken, um die Menschen von den lebenszerstörenden Mächten zu befreien, damit sie an seiner Lebensmacht teilhaben können.
Als Jesus nun nahe des Dorfes war, wo die Familie wohnte, hatte er zunächst ein Gespräch mit Marta über die Auferstehung. Er sagte schließlich zu ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das?“ (11,25f.) Dann kam auch Maria zu Jesus und mit ihr die ganze Trauergemeinde, um die Schwestern zu trösten. Jesus sah die Schwestern und die Juden weinen. Ihn drängte es nun zum Grab, um das Wunder zu vollbringen. Nun weint auch er.
Der Grund wird uns nicht genannt, jedoch erschließt er sich aus dem hier kurz dargestellten Zusammenhang. Oft wird gesagt, er weinte aus Schmerz, weil sein Freund Lazarus nun tot war. Aus dem Zusammenhang jedoch wird deutlich, dass das nicht sein kann. Jesus wollte durch das Auferstehungswunder, das er nun am Grab vollbrachte, seine Göttlichkeit offenbaren, damit die Menschen zum Glauben an ihn kommen und so frei werden zu einem Leben in Ewigkeit, das es nur bei Gott und somit bei ihm als Gottessohn gibt. Denn der Tod ist für ihn nicht das Letzte für den Menschen. Das spätere Osterereignis – seine Auferstehung von den Toten als Sieg über den Tod – bezeugt dies aller Welt eindrücklich.
Der Grund, warum Jesus weinte, liegt also woanders. Er weinte mit denen, die trauerten. Er fühlte mit ihnen, fühlte ihren Schmerz, war tief gerührt und ergriffen. Aus emotionaler Empathie, aus tiefem Mitgefühl gingen ihm die Augen über. Das heißt: Uns Menschen ist im gottgleichen Jesus zugleich der menschgleiche Jesus nahe in allem, was das Menschsein ausmacht, außer der Sündhaftigkeit.
- Gedanken zum Monatsspruch Februar 2026, Dtn 26,11
- Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2025, Mal 3,20
- Gedanken zum Monatsspruch November 2025, Ez 34,16
- Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2025, Lk 17,21
- Gedanken zum Monatsspruch September 2025, Ps 46,2
- Gedanken zum Monatsspruch August 2025, Apg 26,22
- Gedanken zum Monatsspruch Juli 2025, Phil 4,6
- Gedanken zum Monatsspruch Juni 2025, Apg 10,28
- Gedanken zum Monatsspruch Mai 2025, Joel 1,19-20
- Gedanken zum Monatsspruch April 2025, Lk 24,32
- Gedanken zum Monatsspruch März 2025, Lev 19,33
- Gedanken zum Monatsspruch Februar 2025, Ps 16,11
- Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2024, Jes 60,1
- Gedanken zum Monatsspruch November 2024, 2 Petr 3,13
- Gedanken zum Monatsspruch Oktober 2024, Klgl 3,22-23
- Gedanken zum Monatsspruch September 2024, Jer 23,23
- Gedanken zum Monatsspruch August 2024, Ps 147,3
- Gedanken zum Monatsspruch Juli 2024, Ex 23,2
- Gedanken zum Monatsspruch Juni 2024, Ex 14,13
- Gedanken zum Monatsspruch Mai 2024, 1 Kor 6,12