Der Spruch für Oktober (Gal 5,1) lautet: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen.
Wer kennt nicht Reinhard Meys berühmtes Lied „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Es thematisiert die Sehnsucht nach Freiheit, alles hinter sich lassen zu können, was im Leben ängstigt, Sorgen bereitet und im Alltäglichen nicht loslässt.
Freiheit, das ist das große Thema der Menschen schon immer gewesen. Jeder Mensch strebt seit jeher danach, dass er sich in seinem Wollen und Handeln selbst bestimmen kann. Er strebt nach Freiheit, nach Ungebundensein, nach Selbstbestimmtheit, nach Selbstverwirklichung, und oft nach Freiheit ohne Grenzen. Und je schwieriger die Lebensumstände werden, umso stärker wird der Drang danach, ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben in Frieden mit sich und der Welt zu führen und Hemmendes hinter sich zu lassen: Die Verpflichtungen, die uns binden. Menschen, die Druck auf uns ausüben. Krankheiten und Sorgen, die uns fesseln. Druck, den wir aus irgendwelchen Gründen uns selbst auferlegen und Zwänge, aus denen wir nicht herauskommen. Die Erfahrung lehrt uns allerdings immer wieder, dass wir an Grenzen stoßen. Und, dass sich auch so manche Freiheit als Scheinfreiheit entpuppt. Es werden oft große Versprechungen gemacht, durch die die Menschen freier und unabhängiger werden sollen. Doch statt der "Großen Freiheit" der Menschheitsbeglücker geraten Menschen in neue, oft noch größere Unfreiheiten bis hin zur Knechtschaft. Das erleben wir gerade in heutiger Zeit. Und wenn die Ernüchterung kommt, wird festgestellt: Das war sie doch nicht, die große Freiheit. Das war die Jagd nach ihr, aber nicht mehr.
Paulus griff mehrfach das Thema Freiheit auf und beleuchtete es von verschiedenen Seiten, je nach Notwendigkeit aufgrund bestimmter Probleme oder Vorfälle in den christlichen Gemeinden. Zu den Gemeinden in Galatien gehörten auch Judenchristen. Sie hielten an den jüdischen Gesetzesvorschriften fest und verlangten zugleich deren Einhaltung auch von den nichtjüdischen Christen, vor allem die Beschneidung. Diese Problematik war bisher im Urchristentum nur unzureichend geklärt. Paulus sah sich nun genötigt, hier eine Klärung herbeizuführen. Für ihn stand dabei alles auf dem Spiel, seine innerste Lebenserfahrung, seine Missionstätigkeit, das Gedeihen seiner Gemeinden, sein persönliches Heil. Auf dem Spiel stand damit aber auch das Heil der Christen in den Gemeinden insgesamt. Denn seit seiner Begegnung mit Christus war für ihn, den Juden, der Satz bestimmend geworden: Christus ist das Ende des Gesetzes (Röm 10,4). Auf ihn hatte er seitdem sein ganzes Leben und seine Heidenmission gestellt. Und nun sollte es wieder anders werden, indem den Galatern das Gesetz wieder auferlegt werden sollte?
Es ging hier im Galaterbrief also vorrangig um die Verteidigung der Freiheit von den unheilvollen Folgen des Gesetzes. Zu anderen Freiheitsthemen, z.B. Freiheit in der Bindung an Christus, Freie und Sklaven, äußerte er sich zu anderen Gelegenheiten und in anderen Briefen.
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