Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen, denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib. (Hebr 13,3 – Spruch für den Monat Juni)
Das sind Worte, die an unser Mitgefühl appellieren. Das erkennen wir auf den ersten Blick. Und dass ein solcher Appell nötig ist, wissen wir alle. Wir Menschen haben in der Regel doch meist zuerst unser eigenes Ergehen und die Sorge um das eigene Wohlsein im Blick. Deshalb ist es z.B. auch sehr zu begrüßen, wenn uns über Rundfunk- und Fernsehanstalten oder auch über andere Medien die Bedürftigkeit sowie Not, Leid und Elend vor Augen geführt werden – ob in der Welt oder auch im eigenen Land. Sie appellieren so an unsere Hilfsbereitschaft, um zur Linderung mit beizutragen. Das kann dann beispielsweise über Spenden erfolgen oder auch mit persönlichem Engagement, organisiert über Vereine, andere Institutionen oder ganz privat. Die z.T. enorme Spendenbereitschaft gerade in der Advents- und Weihnachtszeit oder bei großen Naturkatastrophen zeigt, dass sich viele aus Mitgefühl heraus ansprechen lassen und einen Beitrag zur Linderung leisten. Aber nicht jeder öffnet sein Herz so weit. Dass immer wieder an unser Mitgefühl für die Bedürftigen appelliert wird, um die Bereitschaft zur Hilfe zu wecken, ist daher nötig. Diese Fähigkeit, also nicht nur Gefühle, sondern auch Gedanken und Perspektiven unserer Mitmenschen zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden, wird allgemein als Empathie bezeichnet. „Em-pathos“ heißt wörtlich eigentlich ins Leid hinein, nämlich in das Leid des anderen hineingehen und dabei nicht stehen bleiben, sondern tun, was möglich ist, um dem Leiden abzuhelfen. Es führt hier zu weit, mich näher mit der Empathie als solcher zu beschäftigen. Festzuhalten jedoch ist, dass sie für unser Überleben unerlässlich ist. Ohne Empathie wäre die Menschheit nicht in der Lage, Solidarität, Loyalität, Mitgefühl und Mitleid aufzubringen und auszubilden. Wo und wann auch immer Menschen sie aufbringen und sich entsprechend für Mitmenschen einsetzen, müssen sie im Namen der Menschlichkeit dann auch gewürdigt und unterstützt werden.
Als Christen haben wir jedoch noch mehr dazu zu sagen. Wenn es darum geht, die Bedürftigkeit der anderen so zu sehen, als sei es meine eigene Bedürftigkeit, reden wir weniger über die dafür aufzubringende Empathie, sondern vielmehr von gebotener Nächstenliebe. Wie sie anzuwenden ist, macht Jesus in der Goldenen Regel (Mt 7,12) deutlich: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.“
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