Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! „Diese Jahreslosung baut mich wieder auf, gibt mir wieder Kraft.“ Das schrieb mir kurz vor Ende des Jahres 2025 eine ehemalige Mitarbeiterin am Schluss eines Briefes. Sie schilderte, wie sie wegen des ganzen des Elends überall in der Welt, der wachsenden Kriegsgefahr und der Zunahme von Hass und Menschenverachtung auch in unserer Gesellschaft, aber auch wegen der zunehmenden Kraft- und Bedeutungslosigkeit der Kirche oft an Gottes Menschenfreundlichkeit zu zweifeln begann. Da komme sie sich so hilflos und ratlos vor und habe die Befürchtung, dass ihr Glaube nicht stark genug sein könnte, damit klarzukommen. Aber diese Verheißung Gottes, „Siehe, ich mache alles neu“, sei für sie ein Wort gegen alle Schwachheit und Hoffnungslosigkeit, das ihr zudem helfe, angesichts der Zustände in der Welt Gott nicht aus dem Auge zu verlieren und seine neue Welt, die kommen wird.
Viele Christen werden bei diesem Verheißungswort ähnlich empfinden wie die Schreiberin des obigen Briefes.
In der Offenbarung des Johannes gewährt Gott dem Seher Johannes einen Blick in diese neue Welt: Unsere jetzige Welt wird vergehen. An ihre Stelle wird Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Und er wird bei den Menschen wohnen. Dann wird alles Leid vergangen sein. Denn alle Mächte und Gewalten gibt es in ihr nicht mehr, auch nicht den Tod. Gott bittet Johannes, das Gesehene und sein Wort „Siehe ich mache alles neu!“ als Botschaft für die Gemeinden aufzuschreiben.
Die Gemeinden sind nämlich im Äußeren und Inneren bedroht. Im Äußeren vor allem durch die ersten umfassenden Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Domitian gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Im Inneren durch Spaltungen in den Gemeinden und wegen der selbstzufriedenen Sattheit der Christen, mit der sie sich in der Welt eingerichtet haben.
Für viele Christen damals war diese Heilsbotschaft von Gottes Neuschöpfung der ganzen Welt ein tröstliches und hoffnungsvolles Wort, eines, das ihnen zudem Kraft gab, um den Bedrohungen widerstehen zu können. Denn, so schärfte es Johannes immer wieder ein, es gibt ja einen Sieger über die bedrohlichen Mächte und Gewalten: Jesus Christus, der Gekreuzigte, Auferstandene und nun bei Gott zur Weltherrschaft Erhöhte. Sein Sieg ist gewiss. Niemand kann ihm den entreißen, wie sehr und wie listig und unter welchen Masken diese Mächte und Gewalten es auch anstellen, um die Gläubigen von Christus, dem Sieger, zu trennen, damit sie ins Verderben laufen. Deshalb, so mahnt Johannes immer wieder, bleibt standhaft im Glauben, haltet an eurem Glauben fest, lasst euch nicht beirren, was auch kommen mag. Denn diese Zukunft hat doch bereits in der Gegenwart begonnen.
Johannes bekam nämlich auch den Befehl von Gott: „Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.... Es ist geschehen.“ (Vers 6) - Vom griechischen Urtext her können wir das so umschreiben: „Ich, Gott, habe das schon getan, auch wenn ihr die alte Welt noch vor Augen habt und in ihr noch zu leiden habt. Eure heilvolle Zukunft liegt in meiner Hand.“ Und das heißt, mit dem erhöhten Christus ist das Reich Gottes, die neue Welt, bereits angebrochen. Wenn Christus wiederkommt, wird Gott all dieses Widergöttliche der jetzigen Welt beseitigen und seine neue Schöpfung vollenden. Da gibt es kein Leid, kein Geschrei und Schmerz mehr. Er schaltet in ihr alles aus, was die Welt und das Menschenleben bedroht.
Eine solche Welt ist Gottes Werk, nicht Menschenwerk. Wie viele Menschen waren freilich zu allen Zeiten besessen von der Idee, eine solch paradiesähnliche Welt zu schaffen. Ich denke nur an die letzten 90 Jahre. In Anspielung auf das Bild vom tausendjährigen Reich in der Offenbarung wollte Hitler ein solches Reich schaffen. Er bezeichnete seine Diktatur als Drittes Reich, mit dessen Abschluss die „Heilszeit“ beginnen sollte.
Mit welch schillernden Farben und verlockenden Gedanken wurden die Ideen vom Leben im Kommunismus vor Augen geführt. Für viele war das so faszinierend, dass sie es unterlassen haben, das alles kritisch zu hinterfragen. Viele haben sich dann einspannen lassen für solche Ideen und haben sich damit auch als Werkzeug benutzen lassen. Aber auch hier hat sich das alles als Illusion herausgestellt. Es ist so: In dieser Welt gibt es kein Paradies. Und der Mensch ist auch nicht in der Lage, sich eine neue Welt zu schaffen. So nüchtern und klar sagt es uns gerade auch heute die Bibel. Wer seine Hoffnungen auf menschliche Heilswerke, menschliche Heilsideen und Allmachtsphantasien für eine vermeintlich „bessere Welt“ setzt, dem bleiben in der Tat Enttäuschungen nicht erspart. Mit unsrer Macht ist nichts getan - um es mal mit Martin Luther zu sagen -, denn der neue Himmel und die neue Erde sind allein Gottes Werk – eine Neuschöpfung. Der Mensch kann sich nicht selbst befreien aus dieser Welt.
Wir leben in einer Zeit, in der sich so viel Fürchterliches, Bedrohliches und auch Gottloses ereignet. Doch die Bilder von Gottes Zukunft, vom neuen Himmel und der neuen Erde vertrösten uns gerade nicht auf ein vermeintlich besseres Jenseits und sind kein Opium, mit dem wir uns betäuben gegenüber Not und Unrecht auf dieser Welt, wie dies den Christen immer wieder vorgehalten wird. Sie sind auch kein Traum und auch keine Illusion, sondern Wirklichkeit. Das können wir auch jetzt schon wahrnehmen wie die Menschen, die damals an Jesus glaubten und Unglaubliches in seiner Nähe erlebten. Jeder, der ernsthaft an Gott glaubt, wird schon heute punktuell und fragmentarisch seine ersten Erfahrungen machen mit dieser doch ganz anderen Wirklichkeit, die dann am Ende der Zeit in all ihrer Herrlichkeit unüberbietbar erstrahlen wird.
Zudem: Wenn wir auf die Vollendung der neuen Welt ohne Tränen, Schmerzensschreie und Tod hoffen, dann kann uns die bedrohte Welt, wie sie ist, und das Leiden, der Hass und das Elend der Menschen in ihr nicht gleichgültig sein. Wer am Ende der Zeit die Beseitigung von Leid, Geschrei und Schmerz, die Befreiung von allen bedrohlichen Mächten und Gewalten von Gott her erwartet, wird der heute und hier nicht alles tun, was in seinen Kräften steht, um dieser Hoffnung nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten Ausdruck zu verschaffen? Wird er nicht alles Menschenmögliche tun, um unter dem alten Himmel und auf der alten Erde, das Schlechtere durch das Bessere zu ersetzen?
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Welch ein Hoffnungsbild – nicht nur für das neue Jahr 2026! Es steht in krassem Widerspruch zu einer Gegenwart, die durchdrungen ist von Gewalt, Hass, Krieg, Terror und Menschenverachtung. Es wirft demgegenüber einen kraftvollen Blick in Richtung Vollendung von Gottes Schöpfung. In der wird Gott einmal alles in allem sein und es wird weder Hass und Ungerechtigkeit, Unfriede und Gewalt, Leid und Tod geben. Diese Hoffnung ist eine gegen allen Augenschein. Hoffnung, die zudem zu neuen Ufern aufbrechen lässt und uns Christen zur Mitarbeit an den Aufgaben motiviert, vor die uns die Gegenwart stellt.